Freitag, 18. Mai 2012

Energiewende ja bitte – aber wie und wo?

Es ist schrecklich, aber die Katastrophe von Fukushima hat erreicht, was Atomkraftgegnern in Jahrzehnten nicht gelungen ist: Bevölkerung und Politik wollen tatsächlich den Ausstieg wagen. Den Atomausstieg wagen bedeutet das Bekenntnis zu erneuerbaren Energien. Und das ist nicht so einfach wie es sich anhört, zumindest nicht, wenn es schnell gehen soll. Dass Strom teurer wird, weil die Infrastruktur für das neue Energiezeitalter geschaffen werden muss, mag für die meisten noch angehen, auch wenn es eine Milchmädchenrechnung ist.

Denn letztlich wird der Strom nicht teurer, denn in die Berechnungen für die Kosten der Atomenergie ist weder die Endlagerung der gefährlichen Abfälle noch die Überwachung der abgeschalteten Meiler eingeflossen.

Was angesichts der Vorteile erneuerbarer Energien bedenklich stimmt, ist, dass vor der eigenen Haustür bzw. in Sichtweite des Eigenheims die Begeisterung für die Energiewende für viele schon aufhört. Da wird gegen neue Stromleitungen, gegen Windräder und Pumpspeicherkraftwerke demonstriert und gewettert. So mancher wehrt sich mehr gegen die „Verspargelung“ der Landschaft als er sich jemals gegen Atomkraft engagiert hat. Die Stromleitungen sollen unter die Erde. Ja gerne, aber wollen es die, die es fordern, auch bezahlen? Man solle Windräder nicht in der Nordsee aufstellen, sondern im Land, wird gleichzeitig gefordert, schließlich gebe es viele Bergrücken, auf denen niemand wohne und die Windräder auch nicht stören würden. Dann könne man auf die ganzen Leitungskilometer verzichten. Natur- und Landschaftsschützer sehen das anders. Ja, was denn nun? Wollen wir bezahlbare, grüne Energie oder doch lieber Atomkraftwerke, weil die so gut in die Landschaft passen? Wollen wir einen Windpark neben jedem Dorf oder doch lieber die auf der Nordsee, die man nicht sieht und dafür Stromleitungen?

Energiewende, Atomkraft, erneuerbare Energien

Die meiste Energie geht beim Heizen verloren, doch nur wenige wollen oder können eine energetische Sanierung ihrer Altbauten bezahlen. Nur ein Prozent der Altbauten wird pro Jahr saniert – trotz staatlicher Förderung. Beliebt sind Fotovoltaikanlagen. Der staatlich subventionierte Einspeisungspreis bringt ihren Besitzern Gewinne. Eigentlich sollte man aber eher die Windenergie fördern, denn die Fotovoltaikanlagen sind längst nicht so effizient wie Windräder. Doch das hört keiner gern, der eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach seines Eigenheims hat. Was also wollen wir? Bezahlbare Energie für alle oder Subventionen für wenige, die alle bezahlen?

Letztlich wird die so genannte Energiewende nur dann bezahlbar und machbar sein, wenn man Kompromisse eingeht. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Da mag die Frau Bundeskanzlerin ein neues Energiezeitalter verkünden so oft sie will. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Wutbürger vor einem Windrad auf dem Acker neben ihrem Häuschen Halt machen, nur weil es ökologisch sinnvoll ist. Energiewende ja bitte, aber nicht vor der eigenen Haustür?

Wie wäre es, wenn wir statt gegen alles zu sein, unseren Grips anstrengen? Es gibt da Ideen, die vielleicht durchaus eine zweite Überlegung wert wären, wie die Stromleitungen entlang der Eisenbahnstrecken zu nutzen statt neue zu bauen? Oder wie wäre es mit einem Blick nach Spanien? Da werden die großen Windparks zum Fotomotiv für Touristen. Was ist mit dem Ausbau der dezentralen Energieversorgung, mit Blockheizkraftwerken und Biogasanlagen? Wir bilden uns so viel ein auf unsere Innovationskraft. Jetzt können wir zeigen, was in uns steckt. Innovation statt Demonstration.

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