Den inneren Schweinehund zum Freund machen
Neulich war ich auf einer Veranstaltung mit Dr. Marco Freiherr von Münchhausen. Er ist Coach und Buchautor. Sein Buch „So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund!“ ist allseits bekannt und genau um dieses Thema ging es auch. Überraschend war für mich, dass es in erster Linie nicht darum ging, den inneren Schweinehund platt zu machen, zu überwinden, sich ihm mit aller Kraft zu widersetzen, sondern eher darum, einen gemeinsamen Lebensmodus zu finden.
Wie der Buchtitel sagt: zähmen, nicht fertig machen.
Dass unser innerer Schweinehund uns überhaupt fast nach Belieben beherrschen kann, liegt wohl an der Struktur unseres Gehirns. Das ist nämlich extrem träge und deshalb kostet es auch ziemlich viel Geduld, eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Das weiß der Schweinehund. Wenn wir also versuchen, mehr Sport zu treiben, dann wird er uns vor allem in der ersten Zeit mit allerlei Ablenkungs- und Verdrängungsstrategien zu quälen – solange, bis wir unser Vorhaben aufgeben und in den alten Trott verfallen.
Münchhausen beschrieb den inneren Schweinehund als „Wächter der unsichtbaren Grenzen“, der uns dazu verleiten wolle, es uns ins unserer Komfortzone, also im Gewohnten, bequem zu machen. Es gebe zwar Situationen, in denen er auch recht habe, aber meistens eben nicht. Je intelligenter der Mensch sei, desto raffinierter sei auch sein innerer Schweinehund. „Er serviert Ihnen auf dem silbernen Tablett die Ausreden, die Sie brauchen, um eine Sache nicht zu tun oder aufzuschieben.“ Deshalb würden auch fast alle guten Vorsätze zu Neujahr ziemlich schnell gekippt.
Schweinehund-Dreisatz und Opferlieder
Doch, so die gute Nachricht, man könne den Schweinehund-Tricks begegnen, so Münchhausens gute Nachricht. Zunächst einmal müssten gute Vorsätze oder Ziele konkret sein. „Sagen Sie nicht, 'ich sollte versuchen, mehr Sport zu treiben'“, empfahl der Coach. „Richtig ist: 'Ich werde mehr Sport treiben'.“ Außerdem empfahl er, klein anzufangen. „Versuchen Sie nicht gleich, eine Stunde zu laufen oder das Haus an einem Wochenende zu entrümpeln. Fangen Sie klein an. Damit kann auch der Schweinehund leben.“ Außerdem sei es wichtig, sich keine Ausnahmen zu gestatten, wenn man ein neues Ziel angehe. „Wenn Sie dienstags und donnerstags Fahrrad fahren möchten, lassen Sie es nicht ausfallen, nur weil es regnet. Tun Sie das, reibt sich der innere Schweinehund die Hände. Er wird es auf jeden Fall zum Anlass nehmen, Ihren Plan zu sabotieren.“
Die Ausnahme-Falle sei für den „Schweinehund-Dreisatz“ wie geschaffen: ausfallen lassen, schleifen lassen, sein lassen. „Besonders am Anfang ist es wichtig, dass Sie den Sport oder das Aufräumen oder was immer Sie sich zum Ziel gesetzt haben, nicht ausfallen lassen“, mahnte Münchhausen. Eine tägliche Gewohnheit setzt sich nämlich erst nach sechs bis acht Wochen im Hirn fest, eine wöchentliche erst nach etwa sechs Monaten. Wer sich während dieser Zeit mit „Opferliedern“, also den typischen Ausreden, die man immer parat hat, aus der Verantwortung schleicht, hat gegen den inneren Schweinehund verloren. Der ist nämlich der Urheber dieser Ausreden. Er legt sie uns in den Mund.
Frieden schließen
Der Coach empfahl, mit dem inneren Schweinehund Frieden zu schließen, statt ihn zu bekriegen. Das sei ein aussichtsloser Kampf gegen sich selbst. Stattdessen solle man ihn (und damit die eigenen Schwächen) annehmen und sich überlegen, welche positiven Seiten er habe. „Der innere Schweinehund ist nicht nur negativ“, gab Münchhausen zu bedenken. „Er sorgt auch dafür, dass wir ab und zu eine Auszeit nehmen, das Leben genießen und ausruhen. Allerdings müssen wir ihm Grenzen setzen.“ Um mit dem Widersacher klar zu kommen, rät der Coach, die Vorstellungskraft zu nutzen. „Das menschliche Gehirn kann besser mit Bildern umgehen als mit Worten. Deshalb sollten Sie sich Ihre Ziele in Bildern vorstellen. Die Bilder im Kopf bestimmen die Wirklichkeit.“
Wichtig sei es, die Anforderungen an sich selbst nicht zu hoch und nicht zu niedrig anzusetzen, denn beides wirke als Motivationskiller, das merke man besonders im Beruf. Um dabei die richtige Balance zu finden, könne der innere Schweinehund sehr nützlich sein. Zusammenfassend empfahl Münchhausen, sich nur eine Sache auf einmal vorzunehmen, sie gleich morgens einzuplanen, mit kleinen Schritten zu beginnen und Ausnahmen erst zuzulassen, wenn die neue Gewohnheit einen „Trampelpfad im Gehirn“ hinterlassen habe. „Schwimmen Sie gegen den Strom der Gewohnheit“, ermutigte er seine Zuhörer. „Dann verändert sich die Richtung des Stroms. Ihr Schweinehund ist lernfähig. Wenn er merkt, dass das, was Sie verändern, gute Gefühle hervorruft, wird er Sie nicht mehr austricksen.“




