Freitag, 18. Mai 2012

Winfried Neun - Die Psychologie der Entscheidungen

Winfried Neun - Die Psychologie der Entscheidungen

Das Richtige tun

Vor kurzem habe ich auf einer Veranstaltung den Wirtschaftspsychologen und Geschäftsführer der K.O.M. Kommunikations- und Managementberatungs GmbH Winfried Neun gehört. Später habe ich sein Buch gelesen, in dem er erklärt, weshalb es uns so schwer fällt, das Richtige zu tun.

Verständlich und unterhaltsam beschreibt er, weshalb uns unser Gehirn gerade dabei oft im Weg steht und wie man dieses Wissen dazu nutzen kann, in Unternehmen gute Entscheidungen zu treffen.

Ein Beispiel für unser Entscheidungsverhalten sind für Winfried Neun die Vorgänge an den Börsen. 80 Prozent an der Börse seien Psychologie. Dahinter stecke die Angst der Anleger. Und Angst spreche unser Reptiliengehirn an, das nur auf zwei Dinge aus sei: Lustgewinnung und Schmerzvermeidung. „Sobald man Angst hat, wird Adrenalin ausgeschüttet und blockiert das Gehirn“, erklärte Neun den Mechanismus. „Wir sind nicht mehr in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. Also warten wir ab, die Aktien fallen weiter und wir machen Verluste, obwohl wir wissen, dass wir etwas tun müssten.“ Diesem Teufelskreis könne man nur mit einem Stimmungsmanagement entkommen, doch dafür müsse man wissen, wie das Gehirn funktioniere.

Logisches Denken reicht nicht

Ganz im Gegensatz zu dem, was die meisten glauben, nämlich dass der Mensch ein rational handelndes Wesen ist, sind die tatsächlichen Abläufe in unserem Gehirn ganz anders. Unser Handeln sei eher bestimmt von unserer Stimmungslage, so der Psychologe. „Unser Gehirn interpretiert Nachrichten und Informationen je nach Stimmungslage. Es sucht sich die Nachrichten heraus, die zu unseren Absichten passen. Deshalb treffen wir Entscheidungen weniger rational als von unserer Stimmung beeinflusst.“ Das gelte nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Gruppen und sogar Gesellschaften. Als Beispiel nennt Winfried Neun die Amerikaner, die anders mit Krisen umgehen als die Deutschen. „Für das Lösen komplexer Probleme sind Gelassenheit und Selbstvertrauen nötig. Offensichtlich haben die Amerikaner davon mehr.“ Man müsse seine Einstellung verändern, bevor die Einstellung einen selbst verändere.

Die Phasen der Veränderung

Veränderung, so Neun, geschehe in drei Phasen. In der Unfreezing-Phase müsse das Gehirn die Lage begreifen. „In dieser Phase sprechen wir davon, die Menschen abzuholen“, so der Psychologe. „In der Change-Phase werden alle bekannten Routinen platt gemacht. In der Refreezing-Phase lernen wir die Veränderung als gut zu akzeptieren.“ Veränderung bedeute wollen mal können mal dürfen. Für Veränderung gebe es drei Motive: das Beziehungsmotiv, das Leistungsmotiv und das gestalterische Machtmotiv. Eines dieser Motive sei in der Regel dominant. Entscheidend dabei sei, welche Hirnhälfte die Kontrolle übernehme.

Diese Erkenntnis könne man auch auf Unternehmen anwenden. Unsere Stimmungslage, vergangene Erfahrungen, Beeinflussung von außen und nicht zuletzt unser Reptiliengehirn bringen uns immer wieder dazu, vor Veränderungen zurückzuschrecken, Entscheidungen aufzuschieben und in Angst zu verharren. Intelligentes Wachstum in Unternehmen gehe aber mit Veränderung einher, heute mehr als je zuvor. Deshalb brauche es einen Paradigmenwechsel in der strategischen Ausrichtung und Führung; mehr Kreativität und Querdenken müsse erlaubt sein und einher gehen mit einer nutzenorientierten Innovation. Veränderungsbereitschaft und Kritikfähigkeit würden zu Performance Treibern. Vertrauen und Nachhaltigkeit könnten auf dieser Basis wieder wachsen.

Neun empfiehlt, sich selbst mehr zu vertrauen, um das Richtige zu tun. „90 Prozent aller Gefühlsentscheidungen sind richtig“, ermuntert er. „Den Homo Oeconomicus gibt es nicht.“

Warum es uns so schwer fällt, das Richtige zu tun. Die Psychologie der Entscheidungen Business Village, ISBN 978-3-86980-112-4, € 24,80

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