Jedes Frühjahr ist es das gleiche: Der Blütenstaub kombiniert mit allem anderen Staub sammelt sich auf Möbeln, Büchern und allen Gegenständen. Also hieß es abstauben. Eigentlich eine Tätigkeit, die ich nicht besonders gerne mache und deshalb versuche ich immer, sie zuerst aufzuschieben und dann möglichst schnell hinter mich zu bringen. Warum es dieses Mal anders war, weiß ich nicht – vielleicht weil ich nicht in Hetze war.

Zum einen hat es mir Spaß gemacht, meine Bücher und die Schätze, die man so herumstehen hat, anzufassen. Zum anderen hat natürlich jedes Buch und jeder Gegenstand eine Geschichte und ist mit Erinnerungen verbunden. Als ich zum Beispiel unsere kleine Sammlung von Espressomaschinen abstaubte, erinnerte ich mich an die Urlaube und Orte, in denen wir sie gekauft hatten.

Budda

Manche Bücher erinnerten mich an Menschen, die schon längst aus meinem Leben verschwunden sind. Bei manchen Dingen musste ich lachen – zum Beispiel bei einem wirklich kitschigen Souvenir aus Ägypten. Aber ich war dort gemeinsam mit meiner Schwester und wir hatten eine wirklich fantastische Woche. Der kitschige Miniatur-Sarkophag sorgt dafür, dass ich sie nicht vergesse.

Im Gästezimmer hängt ein Gemälde von Elisabeth von Janota-Bzowski. Sie war Künstlerin und hatte ein ausgezeichnetes Auge fürs Detail. Einige der schönsten deutschen Briefmarken sind von ihr gemalt worden. Und sie war eine Schönheit, das sah man selbst noch im Alter. In jungen Jahren lebte sie in New York. Wenn sie mir davon erzählte, verging die Zeit wie im Flug.

Am längsten habe ich mich beim Abstauben eines zarten Buddelschiffs aus Glas aufgehalten. Wir haben es 1979 in Schottland gekauft. Den ganzen Weg nach Hause hat es im Tankrucksack unserer Moto Guzzi zurückgelegt. Es hat Umzüge überlebt und all die Jahre keinen einzigen Kratzer davongetragen. Selbst als ich bereits geraume Zeit mit Abstauben fertig war, dachte ich an die Urlaubsfahrten nach Schottland, sah die fantastische Aussicht auf die Summer Isles und den düsteren Glencoe vor meinem inneren Auge, erinnerte mich an Stanley, einen jungen Stier, der sich von zwei Schafen immer das Futter wegnehmen ließ, schwelgte in den wunderbaren Landschaften der Inseln Skye und Arran.

Dank des Abstaubens habe ich eine wunderbare Stunde erlebt, die mir richtig gute Laune machte. Meine Empfehlung, wenn die Hektik überhandnimmt oder das Leben etwas trist erscheint: abstauben und sich an das erinnern, was gut und schön war.