Schwester Teresa über Fehlerkultur
Vor kurzem war ich zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Perspektiven gewinnen!“ eingeladen. Oberflächlich betrachtet ging es um Teamzusammensetzung, Arbeit im Team, Verhandlungssicherheit, Kreativität, Unternehmensführung und Fehlerkultur. Tatsächlich verstand es jedoch jeder der fünf Vortragenden, Dinge im Kopf der Teilnehmer zu bewegen, Denkanstöße für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung zu geben. Am meisten hat mich Schwester Teresa Zukic beeindruckt, die über Fehlerkultur sprach.
Alle waren sehr gespannt auf die katholische Schwester, die von den Medien schon als „deutsche Antwort auf Sister Act“ gefeiert wurde. Doch weder sang sie noch tanzte sie. Das brauchte sie nicht, um sofort alle Zuhörer für sich einzunehmen. Zuerst erzählte sie nämlich aus ihrem Leben, darüber, wie sie zu Gott gefunden hatte und wie es kam, dass sie begann Vorträge zu halten. Sie kann gut erzählen und auch wenn für so manchen die religiöse Seite der Geschichte etwas schwierig nachzuvollziehen war, schlug ihre Erzählung doch alle in ihren Bann. Damit demonstrierte Schwester Teresa zugleich, was eigentlich die viel beschworene Authentizität ist. Ich zumindest nahm ihr bei ihrem Vortrag „Der befreiende Umgang mit Fehlern“ jedes Wort ab.
Fehler und Sünde nicht vermischen
Die Menschen würden nicht befreiend mit Fehlern umgehen, sondern nur die Auswirkungen beseitigen, sagte die Schwester. Der schlechte Umgang mit Fehlern komme, weil wir Fehler und Sünde vermischen würden. „Sünde ist, wenn ich bewusst gegen die Liebe handle“, sagte sie. Schon in der Kindheit würden wir durch Liebesentzug bestraft, wenn wir Fehler machen würden oder ausgelacht. Daraus würden wir lernen, dass Fehler schlecht sind. Passiere dann ein Fehler, würden wir in die alten Verhaltensmuster zurückfallen. „Dabei sind Fehler die beste Möglichkeit, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln“, sagte Schwester Teresa. „Fehler sind immer entschuldbar. Trennen wir die Schuld vom Menschen. Es lief vielleicht etwas nicht gut, aber deshalb ist nicht der ganze Mensch wertlos.“
Verletzte Menschen verletzen
Manchmal habe sie den Eindruck, die deutsche Antwort auf Anerkennung sei Neid, so Schwester Teresa weiter. „Was muss in einem Herzen vorgehen, das sogar Böses erfindet“, fragte sie und gab gleich die Antwort: „Nur verletzte Menschen verletzen andere.“ Es wäre viel besser, Fehler zu vergeben. Das habe nur Vorteile: „Sie sind aus dem Schneider. Die Seele bleibt gesund und die Wunden heilen. Fehler vergeben setzt ein Zeichen für die Welt. Und denken Sie daran: Niemand kann Sie ablehnen, wenn Sie sich nicht schon selbst abgelehnt haben.“
Jeder Mensch würde sich nach Anerkennung und Zuwendung sehnen, sagte Schwester Teresa. Doch in Deutschland würde das vergessen. Man solle sich an die Geschichte von Jesus und Petrus erinnern. Nicht umsonst habe Jesus ausgerechnet Petrus, der ihn verleugnet habe, die Führung seiner Kirche übertragen. „Jesus hat nicht gefragt, was Petrus falsch gemacht hat, sondern er wollte wissen, ob er ihn liebt, ob er mit dem Herzen zu ihm steht.“ Das sollte in jedem Unternehmen die entscheidende Frage sein. „Statt zu fragen, was hat der Mitarbeiter falsch gemacht, sollten Sie sich fragen, ob er engagiert ist und zur Firma steht“, empfahl sie.
In Deutschland gebe es keine fehlerfreundlichen Betriebe, sondern vor allem fehlersuchende. Doch letztlich sie keiner besser als der andere, niemand unfehlbar. „Bevor ich jemand kritisiere, sollte ich ihn neunmal loben“, machte Schwester Teresa ihren Standpunkt klar. „Wir haben ein Leidenschaftsdefizit-Syndrom“, sagte sie abschließend. „Wir sollten etwas wagen, verrückter sein und anstrengende Dinge tun.“
Tipp: Schwester Teresa hat ein Buch über ihr Leben veröffentlicht. Darin schildert sie ihren Werdegang von der Spitzensportlerin und Atheistin bis zur Gründung der „Kleinen Kommunität“. Heute ist die Schwester Gastreferentin bei Managerseminaren, diskutiert in Talkshows, malt, rappt, schreibt Musicals und musiziert auf Kirchentagen.




