Freitag, 18. Mai 2012

Familienunternehmen: Go global

Deutschland ist eine Exportnation. 47,7 Prozent betrug die Exportquote 2010, in Baden-Württemberg betrug sie sogar 52 Prozent und in der Region Stuttgart satte 61,7 Prozent. Viele Unternehmen haben im vergangenen Jahr ihre Auslandsinvestitionen erhöht. Und auch den Mittelstand zieht es zunehmend ins Ausland. Dabei spielen die Lohnkostenvorteile nur eine geringe Rolle.

Sie sind nur für etwa 15 Prozent der Unternehmen der Grund für eine Investition im Ausland. Die meisten Unternehmen betrachten Auslands-Investitionen als eine strategische Investition in Zukunftsmärkte.

Internationalisierung

Allerdings ist ein Engagement in anderen Ländern, besonders in anderen Kulturkreisen, nicht ohne Risiko. Nicht nur kulturelle und religiöse Fettnäpfchen säumen den Weg, sondern auch die Investitionen wollen sorgfältig abgewogen werden. Das Wachstum muss finanziert werden. Trotzdem scheint das Auslandsengagement in den meisten Fällen erfolgreich. Eine Befragung der Unternehmen in der Region Stuttgart über ihr Auslandsengagement 2011 brachte ein interessantes Ergebnis: Die im Ausland investiv aktiven Unternehmen befanden sich Anfang 2011 in einer deutlich besseren wirtschaftlichen Situation. Sie meldeten eine um 20 Prozentpunkte bessere aktuelle Wirtschaftslage. Auch ihre aktuelle Gewinnsituation bewerteten sie viel positiver als die Unternehmen, die nicht im Ausland investierten. Außerdem meldeten von den Unternehmen mit Auslandsinvestitionen 62 Prozent steigende Auftragseingänge, von den anderen Betrieben nur 40 Prozent. Sogar die Zuversicht bezüglich der Geschäftsentwicklung lag bei den im Ausland investierenden Unternehmen mit 60 Prozent um 15 Prozent höher als bei den anderen. Die Beschäftigungspläne für das Jahr 2011 der im Ausland investierenden Betriebe fielen ebenfalls deutlich besser aus. 42 Prozent wollten die Belegschaft in Deutschland aufstocken, von den nicht im Ausland investierenden Unternehmen wollten das nur 23 Prozent tun.

Die Erkenntnisse decken sich mit der Erfahrung des Unternehmensberaters Prof. Dr. Dr. h. c. Hermann Simon, Chairman von Simon Kucher & Partners und Autor des Standardwerks „Hidden Champions des 21. Jahrhunderts: „In 90 Prozent aller Fälle stärkt das Auslandsengagement den deutschen Stammsitz und die hiesigen Arbeitsplätze“, sagt er. „Wer nur in Deutschland agiert, riskiert, angegriffen zu werden. Besser ist es, die ausländischen Konkurrenz vor Ort zu stellen.“

Die Geissel GmbH aus Mühlacker gehört zu den Familienunternehmen, die bereits frühzeitig den Sprung ins Ausland wagten. Seit 18 Jahren wird im indischen Pune gefertigt. Im Gespräch mit der Redaktion des Unternehmermagazins „Die News“ schildern die Geschäftsführer Vanessa und Marc Seidel ihre Erfahrungen.

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