Wie viele Frauen leide ich auch unter wiederkehrenden Blasenentzündungen. Jahrelang wurden mir dagegen Antibiotika verordnet, die ich nie vertragen habe. Ich bekam Pusteln und Juckreiz, musste die Behandlung abbrechen und mich dann mit Antihistaminen und wochenlangem Blasenteetrinken quälen. Irgendwann hatte ich genug davon und suchte mir eine Ärtzin, die homöopathisch behandelte.

Nach einigen Monaten hatte sie alles im Griff. Blasenentzündungen hatte ich nur noch selten und wenn, dann konnte ich sie bei den ersten Anzeichen mit fünf Globuli, die sie mir gab, abwenden. Nach drei Stunden war alles wieder gut. Meine Ärztin brachte mich trotz anfangs heftiger Beschwerden ohne Hormone durch die Wechseljahre.

Ich frage mich immer wieder, weshalb man Menschen quält, wo es doch so wirksame Therapien ganz ohne starke Medikamente mit Nebenwirkungen gibt, die uns sowieso nur krank machen und unser Immunsystem angreifen. Und ich war total glücklich, dass meine Krankenkasse, die Techniker Krankenkasse, die homöopathische Behandlung bezahlt. Dort müssen kluge Leute sitzen, dachte ich. Mittlerweile sehe ich das anders.

Homöopathie

Nach zwei Jahren in homöopathischer Behandlung will mich die Krankenkasse für ein Jahr wieder in schulmedizinische Behandlung zwingen. Danach darf ich mich wieder zwei Jahre homöopathisch behandeln lassen. Ziel dieser Umstellung ist laut Auskunft der Krankenkasse: „die Förderung des Selbstmanagements der Patienten. Sie erhalten zunächst eine intensive homöopathische Begleitung und einen auf sie abgestimmten Behandlungsplan. Sie lernen in dieser Phase mit ihrer Erkrankung im Alltag besser umzugehen, Danach folgt das Ruhejahr, in dem die Patienten das Erlernte praktisch umsetzen können.“

Was heißt hier Selbstmanagement? Welches Erlernte? Wie soll ich lernen, mit einer Blasenentzündung umzugehen, liebe Krankenkasse? Und was bitte soll ich tun, wenn die Schwitzanfälle wiederkehren? In kaltes Wasser sitzen? Und nein, es geht nicht darum, dass ich mir Globuli verschreiben lasse (das hat meine Ärztin nicht ein einziges Mal getan), sondern es geht darum, dass der homöopathische Arzt durch eine sehr genaue Anamnese jedes Mal erneut erkennt, was der Patient braucht. Die fünf Globuli, die vor einem Jahr gegen die Schwitzanfälle geholfen haben, helfen vielleicht dieses Jahr nicht, weil sich etwas in meinem Körper oder meinen Lebensumständen verändert hat. Homöopathie bedeutet nicht, ein paar Globuli zu verschreiben, sondern immer wieder den ganzen Menschen zu betrachten und entsprechend zu behandeln – mit Globuli.

Natürlich, je intensiver sich der Arzt mit dem Patienten befasst, desto mehr Zeit braucht er dafür und desto mehr Geld kostet das. Auf der anderen Seite: Was kosten wiederholte Blasenentzündungen, die mit Antibiotika behandelt werden? Was kostet die anschließend nötige Behandlung gegen die Allergie? Was kosten Hormonbehandlungen? Ich bin durchaus der Meinung, dass es Situationen und Erkrankungen gibt, bei denen die Schulmedizin und Antibiotika gebraucht werden. Aber wieso immer gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen, wenn es auch anders geht? Was soll das Lamento über immer mehr gegen Antibiotika resistente Erkrankungen? Vielleicht sollten Ärzte einfach damit aufhören, bei jedem Schnupfen Antibiotika zu verschreiben. Und letztlich: Wer profitiert denn wirklich davon? Richtig – vor allem die Pharmaindustrie. Aber wegen der Profite der Pharmaindustrie möchte ich weder Antibiotika noch Hormone schlucken.

Mein Fazit: Es liegt nicht daran, dass die Wirkung homöopathischer Mittel nicht bewiesen ist, wenn die Schulmedizin bevorzugt wird. Der Grund ist, dass die Pharmaindustrie eine große Lobby mit viel Geld hat und die Homöopathie nur eine ganz kleine – ihre Patienten.