Jeder von uns kennt die Situation: Man sitzt in der S-, U- oder Straßenbahn, liest Zeitung oder unterhält sich oder schaut zum Fenster hinaus oder schläft. Auf einmal die Aufforderung „Fahrscheine bitte“ – eine Kontrolle. Auch diejenigen, die einen gültigen Fahrschein haben, fühlen sich genervt, weil sie die Zeitung weglegen und den Fahrschein herauskramen müssen. Fahrscheinkontrolle ist eine Unterbrechung, die nie willkommen ist. Entsprechend fallen die Reaktionen aus: Augenrollen, patzige Bemerkungen usw. Man kennt das.

Fahrkartenkontrolleure sind in den Augen vieler Menschen ein notwendiges Übel im besten Fall, Verräter oder Petzen im schlimmsten Fall. Die leicht aggressive Grundstimmung der Fahrgäste wird noch dadurch verstärkt, dass Kontrolleure meistens zu mehreren auftreten. Vielleicht sind die meisten Kontrolleure deshalb nicht besonders freundlich. Schließlich müssen sie ständig mit Ablehnung umgehen. Es gibt bestimmt keine Statistiken darüber, aber vermutlich hören sie nur selten ein freundliches Wort. Und eine Supervision wird es wohl aus Kostengründen nicht geben.

Kommunikation, Strassenbahn

Neulich habe ich eine ganz andere Kontrolle erlebt. Als erstes fiel auf, dass die vier Kontrolleure – Frauen und Männer – ziemlich adrett angezogen waren. Sie waren gut gelaunt, lächelten, plauderten während der Kontrolle mit den Fahrgästen, machten sogar Späße, die signalisierten, dass sie über sich selbst lachen konnten. Die Reaktionen der Fahrgäste waren entsprechend. Fast alle lächelten, es gab kein genervtes Augenrollen, keine patzigen Sprüche. Schließlich waren alle Fahrscheine kontrolliert und kein Schwarzfahrer gefunden.

Bevor sie ausstiegen, sagte einer der Kontrolleure: „Kein Schwarzfahrer. Jetzt muss ich mein Mittagessen schon wieder selbst bezahlen.“ Unter herzlichem Gelächter der Fahrgäste verließen sie die Straßenbahn., obwohl der Kontrolleur mit dem lockeren Spruch sogar impliziert hatte, dass er die Gebühren der Schwarzfahrer für sein Mittagessen auszugeben gedachte. Alle hatten seine Aussage offensichtlich richtig verstanden, als Spaß und freundliche Geste.

Ich habe selten in einer Straßenbahn mit so einer guten Grundstimmung gesessen. Es stimmt also: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus.“ Kommunikation ist niemals einseitig und jede Seite hält den Schlüssel zu einem positiven Umgang miteinander in der Hand.