Schöne neue WeltAls ich neulich einen Artikel unter der Schlagzeile „BeautifulPeople.com startet virtuelle Samenbank“ las, fühlte ich mich auf der Stelle an den genialen Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley erinnert. Vielleicht wird seine Vision doch noch irgendwie Wirklichkeit, eine Welt der für ihre jeweiligen Aufgaben in der Gesellschaft perfekt Konditionierten ohne individuelle Wünsche und Eigenschaften mit allen sich daraus ergebenden Risiken. Mit den Schönen fangen wir an, zumindest wenn es nach den Beautiful People auf virtueller Partnersuche geht. Nein, es geht noch längst nicht um Gen-Manipulation und Indoktrinierung wie in Huxleys Roman, aber wie heißt es so schön: Wehret den Anfängen? Doch der Reihe nach: Es gibt eine Dating-Website „BeautifulPeople.com“, bei der nur schöne Menschen Mitglied werden können. Was bzw. wer schön ist, entscheiden die Mitglieder, indem sie die Fotos von neuen Kandidaten bewerten. Ewige Schönheit
Jetzt hat das Portal einen „Fertilitätseinleitungs-Service“ gestartet für Menschen, die schöne Babys haben wollen – ohne finanziellen Nutzen für das Portal selbstverständlich. Diesen Service dürfen allerdings auch Nicht-Mitglieder nutzen. Schließlich wollen hässliche Menschen auch hübsche Babys. Angeblich haben Paare, die sich über die Website kennen gelernt haben, bereits 600 schöne Babys in die Welt gesetzt. Doch werden aus hübschen Babys automatisch schöne Menschen? Was, wenn das Leben es nicht gut mit ihnen meint und sich das auch in ihrem Aussehen niederschlägt? Was ist das überhaupt für ein Kriterium zur Beurteilung von Menschen? Schließlich sollten wir doch inzwischen alle wissen, dass Schönheit vergänglich ist. Sämtliche Cremes und Wässerchen, die Schönheit und Jugend erhalten sollen, kosten zwar ein Vermögen, ihr Nutzen ist jedoch ziemlich begrenzt. Der Alterungsprozess und damit auch der Schwund der Schönheit ist nicht auf Dauer aufzuhalten. Was ist mit der Schönheit, die im Auge des Betrachters liegt? Warum finden Paare zueinander? Ginge es nur um Schönheit, dürfte so mancher Herr der Schöpfung, aber auch so manche Dame niemals einen Partner finden. Trotzdem klappt’s, oft mit lebenslangem Erfolg. Selbst das Auge der Schönen täuscht sie manchmal über das eigene Aussehen. Viele schöne Menschen sind nicht mit ihrem Aussehen zufrieden. Sie haben andere Ansprüche an sich selbst als die Umwelt. Nützliche MenschenUnd was brauchen wir mehr, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern? Intelligente, aufgeweckte, risikobereite Menschen mit einer eigenen Meinung – egal wie sie aussehen – oder vor allem schöne Menschen? Schöne Menschen sind zweifellos eine Bereicherung und jeder von uns schaut sie gerne an, doch die Frage ist: Reicht Schönheit aus, damit ein Mensch wertvoll ist? Schöne Menschen tun sich tatsächlich in vieler Hinsicht, sogar auf der Karriereleiter, leichter als hässliche. Man nimmt automatisch an, dass Schönheit und Erfolg zusammen gehören. Deshalb erhalten sie die besseren Chancen, auch wenn sie sie nicht immer verdienen. Sind hässliche Menschen, die ansonsten gleichwertig mit dem Schönen sind, also schlechter oder werden sie nur schlechter behandelt? Was, wenn sie zwar hässlich sind, aber all ihre anderen Fähigkeiten viel besser ausgebildet als beim Schönen? Wird dann der schöne, aber einfältige Mensch, zum Menschen zweiter Klasse? Sollten wir nicht Schönheit als ein willkommenes, aber nicht entscheidendes, Attribut betrachten? Auf jeden Fall wünsche ich den 600 schönen Babys und ihren schönen Eltern, dass sich 600 schöne, intelligente, verantwortungsvolle Erwachsene entwickeln, die sich für eine schöne neue Welt einsetzen.
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