Tod und Kommunikation

Letzte Woche war ich auf einer Trauerfeier. Als ich zur Kirche kam, waren davor schon viele Leute versammelt: Familie, Freunde, Bekannte und ehemalige Kollegen des Verstorbenen. Überall standen Grüppchen zusammen und unterhielten sich angeregt, auch wenn sich die meisten bemühten, das gedämpft zu tun und nicht zu lachen. Trotzdem war offensichtlich, dass sie sich gut unterhielten.

Man traf Menschen, die man jahrelang nicht gesehen hatte, von denen man nicht wusste, wie es ihnen ergangen war und was sie heute machen. Andere kannte man gar nicht, aber sie kannten einen als Kind oder als Jugendlichen. Man traf entfernte Verwandte, die man eigentlich mochte, die aber weit weg wohnten und die man deshalb nur selten sah. Man freute sich, sie zu sehen, auch wenn der Anlass traurig war.

Trauerarbeit

PKP

Ich erinnerte mich an den ersten Leichenschmaus, den ich erlebt hatte. Ich hatte mich immer dagegen gewehrt, mitzugehen. Meine Mutter hatte das nie verstanden: „Kind, wir tun da doch nichts Unrechtes.“ Vor Jahren hatte ich mich dann von der Witwe meines Onkels überreden lassen, zum Leichenschmaus zu kommen. Und siehe da – es war nicht schrecklich. Man feierte nicht den Tod, man feierte das Leben und irgendwie auch den Verstorbenen. Die Altersgenossen meines Onkels erzählten Geschichten aus seiner Jugend. Man lachte herzlich über Streiche, die er den anderen gespielt hatte. Man erinnerte sich, wie akribisch er seine Modelleisenbahn gepflegt hatte. Die Kollegen blickten auf gelungene Weihnachtseinladungen zurück. Die Jüngeren erinnerten sich an die Zeit, die sie im Haus des Onkels verbracht hatten. Selbst von Seiten seiner Witwe kam das eine oder andere Lachen.

Nach ein paar Stunden ging man auseinander. Der Tod und der Kummer hatten sich ein bisschen zurückgezogen. Man hatte das Gefühl, einen schönen Nachmittag im Kreis von Familie und Freunden verbracht zu haben. Sicherlich würden viele Menschen weiterhin trauern und sicherlich würde bei dem einen oder anderen das Lachen wieder dem Weinen weichen und trotzdem: Diese Stunden haben uns allen dabei geholfen, den Verlust anzunehmen und wieder zum Leben zurückzukehren. Dabei war sicherlich auch die Gemeinschaft der Familie und der anderen Trauernden wichtig. Selbst diejenigen, die laut meiner Tante „auf jeden Leichenschmaus gehen“, hatten dazu beigetragen, dass Normalität einkehrte, denn nichts ist normaler als sich über irgendjemand aufzuregen.

Dieses Mal bin ich nicht zum Leichenschmaus mitgegangen, weil ich wieder arbeiten musste. Aber ich habe es bedauert, als ich die anderen Richtung Gasthaus gehen sah. Die Älteren hatten die Jüngeren untergehakt, man unterhielt sich wieder angeregt – vielleicht über den Verstorbenen, seine Rolle in ihrem Leben, seinen Humor, seine Hilfsbereitschaft, seine Einsätze bei der Feuerwehr. Zusammen würden sie damit beginnen, den Verlust anzunehmen.

 
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Power-Text nicht mitgehen auf leichenschmaus