Sport statt Sessel

Meine Schwester kam mit einem neuen Spiel für draußen: Speedminton, eine Art Federball mit ganz eigenen Schlägern, Bällen und Regeln. Abends gingen wir zum Spielen zur Berufsschule ums Eck, weil dort viele freie Flächen sind. Die ersten beiden Bälle verschossen wir aufs Vordach der Schule. Auch unser schlaksiger, baumlanger Neffe konnte sie nicht wieder herunterholen.

Ein paar Tage später, an einem Feiertag, entdeckten wir, dass es bei der Schule so eine Art Tennisplatz mit drei Spielfeldern gibt. Wunderbar. Dort können unsere Bälle auf kein Dach fliegen, der Bodenbelag ist wunderbar weich. Außerdem ist es einigermaßen windgeschützt. Zuerst waren wir alleine. Dann kam auf einmal unser Nachbar mit seiner Tochter anspaziert, Tennisschläger unterm Arm. Sie spielten auf dem Feld neben uns.

Seitdem sind wir fast jeden Abend dort. Außer uns tummeln sich dort noch eine ganze Menge anderer Leute. Die drei Tennisfelder sind meistens belegt. Oft sieht man dieselben Leute. Da sind die zwei Teenager mit ihren Fahrrädern; mittwochs vier junge Männer, die mit aufgemotzten Autos angefahren kommen; hin und wieder ein junges Paar mit Hund, der immer den Bällen hinterher rennt. Es sitzen also durchaus nicht alle vor dem Fernseher oder in der Kneipe.

Spaß, Integration, Aggressionsabbau

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Neben den Tennisplätzen auf dem Fußballfeld spielen hin und wieder einige Jugendliche, aber meistens bunt zusammen gewürfelte Mannschaften. Gestern zum Beispiel trainierte eine Mannschaft, in der alle Altersgruppen von 20 bis über 50 und mehrere Nationalitäten vertreten waren. Verstanden haben sich alle. Fußball ist international. Wenn der Trainer „vorwärts“ brüllt und dabei wild gestikuliert, dann ist es sowieso egal, welche Sprache er spricht, und wenn er sich die Haare rauft ebenso.

Auf den Tennisplätzen wird eher gestöhnt als gesprochen, wenn man den Ball mal wieder nicht erreicht oder der andere einen gemeinen Angriffsball landet. Statt zu reden, dreschen die meisten begeistert auf die Bälle ein. Aggressionsabbau auf die elegante Art. Manchmal würde ich gerne fragen, für wen der Ball Stellvertreter ist.

Ein bisschen kommt man sich auf diesem Sportfeld vor wie als Kind auf dem Spielplatz. Es ist immer etwas los. Wenn man nach Hause geht, ist man müde, verschwitzt und ein bisschen schmutzig – zufrieden mit dem Tag. Schade, dass es nicht viel mehr solche Trainingsplätze für Jugendliche und Erwachsene gibt.

 
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