Absurditäten der mobilen KommunikationAm 21. April gab es einen so genannten Handy-Blackout, den bisher größten, wie man lesen konnte. Rund fünf Stunden lang konnten T-Mobile-Kunden mit ihren Handys weder telefonieren noch das Internet nutzen. Was für eine Katastrophe! Abgeschnitten von der Welt galt es fünf lange Stunden zu überleben. Meine Tageszeitung setzte einen Kollegen, wahrscheinlich einen bedauernswerten Volontär oder Praktikanten, darauf an, alle Firmen in der Gegend abzutelefonieren und sich nach dem entstandenen Schaden zu erkundigen. Der Mann oder die Frau tat mir wirklich leid. Was für eine unerfreuliche Aufgabe. Man darf vermuten, dass den Unternehmen die ganz großen Geschäfte durch den Handy-Ausfall nicht durch die Lappen gingen. Insgesamt reagierten alle ziemlich ruhig. Es rief auch keiner nach Schadenersatz. Der Druck der Straße
Schadenersatz wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowieso ausgeschlossen. Doch um die erboste Kundschaft wieder milde zu stimmen, sah sich T-Online doch genötigt, für den folgenden Sonntag Frei-SMS für seine Kunden anzubieten. Bleibt die Frage, wer wurde wie geschädigt und wer hat sich eigentlich so sehr über den Netzausfall geärgert? Meine Vermutung ist eine denkbar böse. Ich glaube nämlich, dass sich nicht die Unternehmen, die betroffen waren, so echauffiert haben, sondern diejenigen, die ihr Handy sowieso nur dazu brauchen, um im Café oder in der S-Bahn alle anderen an ihren Erlebnissen teilhaben zu lassen. Vermutlich dieselben, deren Handy auf jeden Fall im Kino klingelt und die es hauptsächlich dazu benützen, um ihrer besten Freundin mitzuteilen, dass sie gerade auf den Bus warten. Ich nehme an, die werden tatsächlich „verrückt“, wenn sie nicht durchkommen. Ruhe auf den billigen Plätzen!Und noch ein Phänomen kam durch den Netz-Ausfall bei T-Mobile ans Licht: das Hinterbänkler-Syndrom. Das kann man zwar öfter beobachten, aber hier fiel es so richtig ins Auge. Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, meldete sich zu Wort. Sie forderte eine schnell und unbürokratische Entschädigung der T-Mobile-Kunden: „Alle 39 Millionen Kunden können erwarten, dass sie mit der nächsten Monatsrechnung eine angemessene Gutschrift erhalten.“ Also ich hatte zuvor noch nie etwas von Frau Maisch gehört, Gott sei Dank, denn ihre Forderung bringt die Menschheit nicht unbedingt weiter. Wie wurde denn zum Beispiel Frau Müller geschädigt, die ihrer Freundin nicht erzählen konnte, dass der Fleck aus der neuen Bluse bei der Wäsche nicht rausgegangen war oder Maximilian, der seine Freundin anrufen wollte, die zwei Häuser weiter wohnt? „Adelante Dilettanti!“ kann man da nur empfehlen.
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