Gedankensplitter

In meinen Gedankensplittern stelle ich Ihnen Themen vor, die sich aus meiner Arbeit ergeben, die ich besonders interessant finde, Anstöße, über die sich das Nachdenken lohnt.

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Es ist eine Binsenweisheit, dass das was wir sagen, oft nicht das ist, was wir meinen. Nicht von ungefähr gibt es Sätze wie „man muss zwischen den Zeilen lesen.“ Kommunikation ist bedeutend vielschichtiger, als wir uns das vorstellen. Der Hamburger Psychologe und Kommunikationstrainer Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun hat zum besseren Verständnis, wie Kommunikation abläuft, das Vier-Ohren-Modell, auch Vier-Seiten-Modell oder Kommunikationsquadrat, entwickelt.

Ich schreibe Reden für andere Menschen. Das Themenspektrum reicht von der Rede auf einer Geburtstagsfeier bis hin zur Weihnachtsansprache für Mitarbeiter. Manche Reden sollen nur unterhaltend und launig sein, in anderen sollen auch für die Zuhörer unangenehme Dinge gesagt werden. Doch egal, um welches Thema es sich handelt. Es gibt ein paar Grundsätze, die jeder, der eine Rede halten möchte, beachten sollte.

Neulich besuchte ich einen Kunden. Das bedeutete eine dreistündige Bahnfahrt hin und drei Stunden zurück. Ich nahm mir vor zu arbeiten. Auf der Hinfahrt wurde daraus nichts. Neben mir saß nämlich ein Pilot der Condor, mit dem ich mich wunderbar unterhielt. Die drei Stunden vergingen wie im Flug. Der Mann konnte nämlich unterhaltsam und spannend erzählen. Ich erfuhr in diesen wenigen Stunden nicht nur etwas über ihn, sondern auch über seinen Beruf, Billigflieger, Flugpassagiere und fremde Länder.

Kommunikation ist schwierig genug. In Konfliktsituationen läuft oft alles aus dem Ruder. Da wird gemauert, geschrieen, angeklagt – oft kommt es zum Patt, weil keiner nachgeben will. Es geht nur noch darum, wer Sieger und wer Verlierer ist. „Das ist das eigentliche Problem“, sagt Jutta Knauer, Beraterin und Coach für Familienunternehmer und Führungskräfte. „Bei der Lösung eines Konflikts müssen alle Beteiligten von dem Gedanken abkommen, dass es Sieger und Verlierer gibt.

Unser Gehirn ist eine träge Masse – das wissen wir schon lange. Veränderung mag es nicht. Wir denken gerne in den gewohnten Bahnen. Querdenken ist uns zu anstrengend und wird uns meistens sowieso recht früh ausgetrieben. Unser eingleisiges Denken führt leider häufig dazu, dass wir mit unserem größten Pfund, der Kommunikationsfähigkeit, nicht wuchern können, sondern dass jede Kommunikation auf dem Abstellgleis der vorgegebenen Pfade landet.

Jeder von uns kennt die Situation: Man sitzt in der S-, U- oder Straßenbahn, liest Zeitung oder unterhält sich oder schaut zum Fenster hinaus oder schläft. Auf einmal die Aufforderung „Fahrscheine bitte“ – eine Kontrolle. Auch diejenigen, die einen gültigen Fahrschein haben, fühlen sich genervt, weil sie die Zeitung weglegen und den Fahrschein herauskramen müssen. Fahrscheinkontrolle ist eine Unterbrechung, die nie willkommen ist. Entsprechend fallen die Reaktionen aus: Augenrollen, patzige Bemerkungen usw. Man kennt das.

In der Samstagsausgabe der Stuttgarter Zeitung habe ich einen Artikel gelesen über ein Hochdeutsch-Wörterbuch für Gebärden. Anscheinend gibt es auch unter Gehörlosen Dialekte, die für den Austausch ein Hemmnis sind. Deshalb erscheint Ende März im Verlag Karin Kestner „Das große Wörterbuch der Gebärdensprache“. Für jedes Wort haben die Autoren eine Gebärde festgelegt, heißt es. Wie viele Wörter es wohl sein mögen?