Gespräch mit einem Unternehmer
Vor kurzem saß ich mit einem Unternehmer, der ein Produktionsunternehmen mit 45 Mitarbeitern führt, und einem Berater zusammen. Der Unternehmer erzählte uns, dass er gerade von einer Betriebsversammlung komme, auf der er verkünden musste, dass ein paar Mitarbeiter entlassen werden müssten.. Er habe sich sehr schwer damit getan und dieses Problem seit einiger Zeit vor sich hergeschoben.
Er sei erleichtert, dass er jetzt zumindest die Ankündigung hinter sich habe. Auf unsere Frage, ob er nicht vom Aufschwung profitiere, sagte er, so einfach sei es nicht. Zum einen habe das Unternehmen noch längst nicht wieder den Umsatz von vor der Krise erreicht, zum anderen seien Investitionen nötig und drittens stimme einfach das Verhältnis von Umsatz und Ertrag einerseits und den Kosten für Personal andererseits nicht. Solle das Unternehmen vorwärts kommen, sei dieser Einschnitt notwendig.
Das Gespräch drehte sich weiter um unternehmerische Aufgaben und Pflichten und auch um die Vorbildfunktion, die ein Unternehmer habe. „Ich habe ein Bild von meinem Unternehmen, ein Bild davon, wie es sein soll. Wenn ich möchte, dass dieses Bild Realität wird, muss ich dabei die treibende Kraft sein“, sagte der Unternehmer. „Meine Mitarbeiter werden mir nur folgen, wenn ich in all meinem Tun und Handeln glaubhaft bin.“ Der Berater stimmte zu: „Um wirklich zu führen, braucht der Unternehmer selbst Klarheit, nicht nur über seine Ziele und seine Strategie, sondern auch über sich selbst.“
Der Unternehmer sagte, er habe erst allmählich erkannt, was Führung bedeute. Heute wisse er, dass alles, was in seinem Unternehmen passiere, letztlich auf ihn zurück gehe. Selbst der Umgangston innerhalb des Betriebs sei in seiner Verantwortung, ebenso wie die Innovationsfähigkeit seiner Mitarbeiter, die Loyalität sowieso. Führung sei auch nichts Statisches. Die Gesellschaft, die Märkte und die Anforderungen der Kunden und auch die Erwartungen der Mitarbeiter würden sich ändern. Als Chef müsse er sich dem anpassen ohne seine grundsätzlichen Werte und seine Ziele aus den Augen zu verlieren. „Die wichtigste Erkenntnis daraus ist für mich, dass ich mich und mein Verhalten, meine Handlungen ständig reflektieren muss“, resümierte er. „Es reicht nicht aus, tolle Produkte zu entwickeln. Wir müssen Unternehmen schaffen, die von Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden. Wir müssen etwas schaffen, auf das alle Beteiligten stolz sind.“




