Familienunternehmen und Presse - Warum es oft nicht funktioniert
Wir wissen es: Über 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen. Die Schlagzeilen und öffentlichen Diskussionen beherrschen jedoch die großen Konzerne. Familienunternehmen rücken höchstens ins Licht der Öffentlichkeit, wenn etwas schief geht wie in den Fällen Schaeffler, Würth oder auch Merkle.
Dabei gibt es aus Familienunternehmen viel Positives zu berichten. Es gibt Unternehmen, deren Geschichte sich so spannend liest wie ein Krimi. Unternehmer, die charismatische Persönlichkeiten sind. Unternehmen, die Waren herstellen oder Dienstleistungen anbieten, die viele Leute interessieren. Unternehmen, die in ihrer Region verankert sind und viel für die Gesellschaft tun – Kunst oder den Nachwuchs fördern, für soziale Einrichtungen spenden etc. Auf jeden Fall gibt es viele außergewöhnliche Geschichten, die sicherlich auch Journalisten und Redakteure reizen würden, doch meistens erfahren sie gar nichts davon.
Sinnlose Produktwerbung
Jeder der schon einmal in einer Redaktion gearbeitet hat, weiß es: Tag für Tag flattern unzählige Pressemeldungen von Firmen auf den Tisch oder stapeln sich im E-Mail-Eingang. Der Großteil von ihnen wandert in den Papierkorb, weil es sich im Grunde genommen um reine Produktwerbung handelt. Und mit der fängt keine Redaktion etwas an, vor allem dann nicht, wenn das Produkt nichts Außergewöhnliches oder Neuartiges ist, das alles bisher Bekannte in den Schatten stellt. Und das sind heute die wenigsten Produkte. Die meisten haben nicht einmal eine spannende Geschichte. Und wenn sie eine haben, dann wird die nicht kommuniziert. Im Vordergrund steht immer das Produkt. Damit ist die Pressemeldung in der Regel für die Redakteure wertlos.
Eigenrecherche anbieten
Trotzdem ist es bemerkenswert, wenn Familienunternehmen überhaupt Pressemeldungen verschicken oder auf ihrer Website einen Pressebereich haben. Viele betreiben nämlich überhaupt keine Öffentlichkeitsarbeit. Und selbst wenn sie es tun, sind es oft keine für Journalisten verwertbaren Themen, die sie anschneiden, wenn doch, sind die Texte zu lang, zu werblich, nicht ausreichend informativ und Fotos fehlen meistens oder sind Produktfotos oder – noch schlimmer – Logos.
Dabei lässt sich Pressearbeit ohne großen Aufwand effektiv organisieren, indem man Journalisten und Redaktionen sozusagen den Anreißer liefert in Form einer kurzen Zusammenfassung eines Themas und sie zu Eigenrecherche auffordert bzw. bei Bedarf ausführlichere Informationen, ein Gespräch oder die Vermittlung von weiteren Gesprächspartnern anbietet. Außerdem sollten sich diejenigen, die Pressemeldungen schreiben und diejenigen, die sie beauftragen, mit journalistischen Grundsätzen vertraut machen. Dazu zählt zum Beispiel, dass der Leser einen Nutzen (und sei es Unterhaltung) durch den Artikel haben muss, der Firmen- oder Produktname nicht 20mal pro Seite genannt und auch nicht versal geschrieben wird. Mit solchen Kleinigkeiten kann man zumindest einmal verhindern, dass sich die Redakteure gleich ärgern und erst gar nicht zu Ende lesen.
Kontinuierliche Pressearbeit schützt
Ob ein Unternehmen einen guten Draht zur Presse hat oder nicht, erscheint den meisten Familienunternehmern nicht wichtig. „Wozu brauche ich die Pressefritzen?“ ist eine Frage, die oft gestellt wird. Doch so einfach ist es nicht. Das zeigt sich besonders in Krisensituationen, wenn zum Beispiel Entlassungen anstehen oder es Umwelt-Probleme gibt. Unternehmer, die sich kontinuierlich mit der lokalen Presse austauschen und auch in persönlichem Kontakt stehen, verbuchen hier ein Plus. Bevor die Presse „draufhaut“, wird sie sich die Sache genau anschauen und beim Unternehmer nachfragen. Wer sich allerdings noch nie um die Öffentlichkeit gekümmert hat, kann in solchen Fällen auch nicht erwarten, dass großherzige Gesprächsangebote plötzlich auf Begeisterung stoßen.
Profis ranlassen
Natürlich können viele kleine Unternehmen keine eigene Pressestelle aufbauen und haben auch nicht das geeignete Personal dafür. Oft gibt es nicht so viele Themen, die den Aufbau einer Stabstelle rechtfertigen würden - oder zumindest denken das die Leute im Unternehmen. Die Online-Kommunikation stellt besondere Anforderungen. Es gibt zahlreiche Agenturen und Einzelkämpfer, die das für die Unternehmen erledigen können, entweder bei Bedarf oder im Rahmen eines umfassenden Konzepts. Bevor er eine Zusammenarbeit eingeht, sollte sich der Unternehmer jedoch über zwei Dinge im Klaren sein: Zum einen erfordert Pressearbeit eine aktive Mitarbeit seitens des Unternehmers und eine gewisse Bereitschaft zur Transparenz. Zum anderen sind die Empfänger der Botschaften, also die Journalisten, eigenständige Menschen, die die Dinge nicht immer auf dieselbe Art und Weise sehen und bewerten wie der Unternehmer.
Wenn sie wissen möchten, wie Ihre Pressearbeit aussehen könnte, nehmen Sie Kontakt auf: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!




