Familienunternehmen: Unternehmen mit Gesichtern
Ich schreibe sehr gerne Unternehmensgeschichten und Unternehmerporträts. Das eine ist sowieso ohne das andere nicht denkbar. Unternehmen sind die Geschichten von Menschen, der Unternehmer, ihrer Familien und ihrer Mitarbeiter. Manchmal spiegelt sich darin die Geschichte eines ganzen Landstrichs, einer Branche oder sogar eines Landes. |
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Nachhaltigkeit in aller MundeEigentlich müsste „Nachhaltigkeit“ das Unwort des Jahres werden. Das Wort wird so oft und in so vielen unterschiedlichen Zusammenhängen benützt, dass man es eigentlich schon nicht mehr ernst nehmen kann. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was das Wort eigentlich bedeutet und ob es richtig gebraucht wird. Darüber hinaus führen zwar viele die Nachhaltigkeit im Munde, aber ohne dem Wort Taten folgen zu lassen. Der Begriff in seinem heutigen Gebrauch tauchte erstmalig 1713 in Bezug auf die Waldbewirtschaftung auf. Sein Aufstieg begann dann 1987 mit dem so genannten Brundtland-Bericht. Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung unter Vorsitz der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland definierte Nachhaltigkeit folgendermaßen: „Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Nachhaltigkeit steht im Gegensatz zu Verschwendung und kurzfristiger Plünderung von Ressourcen. Hinzu kommt der Aspekt der länger anhaltenden Wirkung. Schwierig: Ein Wort mit Leben füllenFamilienunternehmen nehmen gerne beide Aspekte der Nachhaltigkeit für sich in Anspruch. Doch ob der Anspruch der Wirklichkeit im Unternehmen standhält, zeigt sich oft erst in Krisenzeiten. Während der gerade überstandenen Krise konnte man das gut beobachten. Unternehmen, die keinen Plan und keine Strategie hatten, sondern sich auch in guten Zeiten mehr oder weniger „durch wurstelten“, hatten keine Chance. Sie gingen unter. Unternehmen, die vergessen hatten, dass Nachhaltigkeit Gier und kurzfristige Gewinnmaximierung ausschließt, übernahmen sich an der eigenen Risikofreudigkeit und gingen ebenfalls unter. Darunter durchaus einige namhafte Mittelständler. Und plötzlich ist es, als ob alle gewusst hätten, dass Nachhaltigkeit der Schlüssel zu dauerhaftem Unternehmenserfolg ist. Kein Kongress, keine Unternehmerveranstaltung, kein Newsletter kommt mehr ohne das Wort Nachhaltigkeit aus. Aber man mag sie noch so oft beschwören – sie kommt nicht von alleine. Unternehmen, die wirklich nachhaltig wirtschaften, haben sich das hart erarbeitet und tun es jeden Tag von Neuem. Sie begeistern ihre Kunden mit ausgezeichneten Leistungen und Produkten und haben langfristig Erfolg, weil sie beständig nicht nur an ihren Produkten, sondern auch an sich arbeiten. Eine Idee, die zwar verkündet, aber nicht umgesetzt wird, begeistert weder Mitarbeiter und Lieferanten noch Kunden. Leere Worte werden schnell als solche erkannt.
In Unternehmen sieht die Realität jenseits aller öffentlichen Beteuerungen oft ganz anders aus. Das steht niemand hinter den Angestellten oder sagt ihnen klar, wo es lang geht. Da wird gefordert, aber nur wenig gegeben. Da rollen Köpfe wegen Fehlentscheidungen, die diese Köpfe gar nicht treffen konnten. Da bleiben dringend notwendige Veränderungen auf der Strecke, weil die Führung sich nicht verändern kann und will. Da gibt es Stillstand, wo doch Entwicklung nötig wäre. Lernen von Jogi LöwEiner, der es offensichtlich richtig gemacht hat, ist Fußball-Bundestrainer Joachim Löw. Nach dem Achtelfinalspiel der deutschen Nationalelf gegen England stellte Fußball-Legende Günter Netzer fest: „Diese Mannschaft sagt nicht nur, sie sei ein Team, sie lebt es auch.“ Löw hat das zustande gebracht, was immer wieder gefordert wird, aber häufig nicht gelingt: Die eigenen Werte leben, sie mit Leben füllen, sich daran halten. Löw hat es geschafft, die einzelnen Spieler nicht nur nominell zu einer Mannschaft zu machen, sondern ihnen das so gut zu vermitteln, dass sie sich als Team fühlten, so agierten und mit ihrer Leistung Fans und Experten begeisterten. Und genau das ist es ja, was Unternehmen wollen: Mit ihrer Leistung andere begeistern. Das geht aber nicht, wenn jeder in eine andere Richtung geht, weil niemand die genaue Richtung kennt oder einfach woanders hin will. Der Bundestrainer hat seinen Spielern viel zugetraut: Er hat Podolski und Klose mitgenommen, die zuhause beide eine schlechte Saison hinter sich hatten, weil er von ihren Fähigkeiten überzeugt war. Er hat sehr jungen Spielern vertraut wie Thomas Müller oder dem Torwart Manuel Neuer und ihnen eine Chance gegeben, zu zeigen, was sie können. Er hat aber auch dafür gesorgt, dass erfahrene Leute wie Schweinsteiger, Mertesacker und Friedrich mit an Bord waren. Die Mannschaft hat sich beständig weiterentwickelt, ihre Technik verbessert und ist nach Niederlagen wieder aufgestanden. Es gab keine Schuldzuweisungen, keine Bevorzugungen. Die Mannschaft trug jede Freude, aber auch jede Last gemeinsam. Der Trainer stand stets hinter der Mannschaft und hat ihr den Rücken gestärkt. Sicherlich gab es hin und wieder auch ein ernstes Wort, aber offensichtlich nicht in der Öffentlichkeit und vermutlich auch sachlich und fair.
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Die Basis für Nachhaltigkeit sind Werte und die kann man nicht einfach einführen. „Nachhaltigkeit braucht Geduld“, sagt Prof. Dr. Arnold Weissman, Gründer der Unternehmensberatung Weissman & Cie in Nürnberg. „Werte wie Vertrauen, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit stehen beim Aufbau einer tragfähigen Unternehmenskultur im Vordergrund. Sie zu entwickeln, ist ein zeitlich unbefristeter Prozess. Allerdings kann man daraus auch ebenso unbefristet Vorteil ziehen.“ Ebenso klar sagt der Professor, wer dafür verantwortlich ist, dass die gemeinsamen Werte festgelegt und von allen getragen, also mit Leben gefüllt werden: die Unternehmensführung, bei Familienunternehmen meistens der Inhaber selbst. Nachhaltigkeit muss also „von oben“ kommen, ehrlich und beständig sein. Der Unternehmer ist das Vorbild für seine Mitarbeiter. Ihr Einsatz, ihr Mut, ihre Innovationskraft und ihre Veränderungsbereitschaft werden von seinem Vorbild beflügelt.