Daten sind nichts Neues. Jedes Unternehmen nutzt sie jeden Tag, ohne dass man weiter darüber nachdenken würde. Mit der Digitalisierung erreicht die Datenflut allerdings ein nie gekanntes Ausmaß und die Unsicherheit über die sinnvolle Nutzung dieser Daten ist groß. Wir produzieren Daten in einer nie gekannten Geschwindigkeit und in einem nie gekannten Umfang. 90 Prozent aller gespeicherten Daten wurden in den letzten zwei Jahren erzeugt.

Die gespeicherte Datenmenge steigt um 40 Prozent pro Jahr und wächst viermal schneller als die Weltwirtschaft. 90 Prozent dieser Daten sind unstrukturiert – Tweets, Fotos, Sprachaufzeichnungen und ähnliches. Drei Milliarden Menschen nutzen heute das Internet und erzeugen 2,5 Trillionen Byte an Daten pro Tag. 1992 waren es gerade einmal 100 GB täglich, 2013 schon 28.875 GB pro Sekunde und 2018 werden es voraussichtlich 50.000 GB pro Sekunde sein. Bis 2020 werden durch das Internet der Dinge und Big Data rund 50 Milliarden Geräte vernetzt sein, das sind doppelt so viele wie 2015.

Stephan Wegerer

Digitale Ökosysteme schaffen

Vor kurzem habe ich mit Stephan Wegerer von der Nürnberger Strategieberatung Weissman & Cie., der Familienunternehmen im digitalen Wandel begleitet, über das Thema „Daten als Profitquelle“ gesprochen. In seinem Artikel für das Familienunternehmermagazin „Die News“ schreibt Wegerer: „Daten sind zum wichtigen Gut der digitalen Welt geworden. Sie können Grundlage für neue Geschäftsmodelle sein und alte über den Haufen werfen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, über welche Daten man bereits verfügt, welche man erheben kann und wie diese nützlich sein könnten“, sagt „Einen wirklichen Schub bringen vor allem datenbasierte Geschäftsmodelle, also die Nutzung von erhobenen Echtzeit-Felddaten für Kunden, das eigene Unternehmen oder Dritte. Mit solchen Geschäftsmodellen lassen sich neue, branchenfremde Kunden und Geschäftsfelder erschließen. Auch die Nutzung der Daten für den Eigenbedarf, um zum Beispiel mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren oder Forschung und Entwicklung gezielter zu betreiben, schlägt sich letztlich in der Generierung neuer oder besserer Geschäfte nieder. Die höchste Kunst ist schließlich die Schaffung eines digitalen Ökosystems – in der Regel eine Plattform, sei es eine Produktplattform wie Amazon oder Alibaba, eine Technologieplattform wie Tesla oder Industrie 4.0 oder eine Marketing-/Sales-Plattform wie Facebook oder Salesforce. Das Ökosystem stellt den einzigen und zentralen Zugang zum Kunden dar und wer die Kundendaten hat, verfügt über die Macht, denn nichts ist in der digitalen Welt wichtiger als der Kunde.“

Emotion vor Preis

Daten könne man auf vielfältige Weise nutzen, man müsse sie nur sammeln und entsprechend klug aufbereiten. Ein digitales datenbasiertes Geschäftsmodell funktioniere jedoch nur, wenn es auf einer klaren Strategie aufbaue, ist Wegerer überzeugt: „Es muss das Leben seiner Nutzer vereinfachen und besser machen. Dafür darf es nicht bei den Daten stehen bleiben. Es nützt nichts, den Kunden mit einem tollen Angebot, das genau seinen Wünschen entspricht, zu locken und ihn dann zum Beispiel nach dem Kauf alleine zu lassen. Algorithmen und Menschen müssen Hand in Hand arbeiten. Angesichts schrumpfender Märkte und gleichen Produkten von gleicher Qualität wird künftig nichts wichtiger sein als die Kundenbeziehung. Emotionen schlagen Preis und Qualität.“

Stephan Wegerer betreibt einen Blog zum Thema Digitalisierung unter digitalestrategie.me. Seinen Artikel zum Thema „Daten als Profitquelle“ finden Sie auf familienunternehmer-news.de