Jetzt hat die Gleichberechtigung also auch Baden-Württemberg erreicht. Das Studentenwerk soll auch hier Studierendenwerk heißen. Studentinnen und Studenten werden fortan unter dem Begriff Studierende zusammengefasst. Zusammengefasst? Ist das nicht wieder eine Form der Benachteiligung? Dürfen wir dann künftig „die Studierenden“ statt „Studentinnen und Studenten“ sagen und schreiben?

Müsste es nicht zumindest im Singular weiterhin den Studierenden und die Studierende geben oder können wir uns diesen Umstand durch „das Studierende“ ersparen? Das Partizip als Zeichen der metrosexuellen Gesellschaft?

Studien

Aber nein, es geht ja um die Gleichberechtigung.

Ehrlich gesagt: Als Frau ist es mir piepegal, ob ich eine Arbeitnehmerin bin oder zum Heer der Arbeitenden gehöre. Viel wichtiger fände ich gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Als Studierende wäre es mir wichtig, eine gute Ausbildung zu erhalten und eine Unterkunft. Die Umbenennung der acht Studentenwerke in Baden-Württemberg kostet um die 640.000 Euro. Damit könnten 13 Wohnheimplätze gebaut oder 80 Studenten ein Jahr lang mit dem Bafög-Höchstsatz gefördert werden, heißt es. Aber die Regierenden halten nun einmal die Gleichberechtigung via Sprache für wichtiger. Werden wir durch den sprachlichen Hochsprung (autsch – schon wieder männlich, vielleicht besser: „durch die sprachlich Hochspringenden“) nächstes Jahr oder in fünf Jahren statt 25 Prozent Professorinnen an den baden-württembergischen Hochschulen 50 Prozent haben? Natürlich wirkt Sprache auf das Denken und Handeln der Menschen und kann insofern die Gleichberechtigung fördern, doch was sagen eigentlich die Prioritäten setzenden Studierendinnen zu der ganzen Sache?