Neulich besuchte ich einen Kunden. Das bedeutete eine dreistündige Bahnfahrt hin und drei Stunden zurück. Ich nahm mir vor zu arbeiten. Auf der Hinfahrt wurde daraus nichts. Neben mir saß nämlich ein Pilot der Condor, mit dem ich mich wunderbar unterhielt. Die drei Stunden vergingen wie im Flug. Der Mann konnte nämlich unterhaltsam und spannend erzählen. Ich erfuhr in diesen wenigen Stunden nicht nur etwas über ihn, sondern auch über seinen Beruf, Billigflieger, Flugpassagiere und fremde Länder.

Er erzählte von lustigen Begebenheit und von Notsituationen. Und ich weiß jetzt, wie ich diesen unangenehmen Druck auf den Ohren beim Fliegen in den Griff bekomme.

Als er so erzählte, musste ich an ein Buch denken, das ich vor kurzem gelesen habe. Es ging um Storytelling und wie Unternehmen die Begeisterung der Menschen für Geschichten für sich nutzen können. Dieser Pilot war ein hervorragender Geschichtenerzähler, denn er liebt seinen Beruf. Er ist überzeugt von dem, was er tut, ist ganz bei der Sache. Genau das muss sich nach Meinung der Buchautoren auch in Unternehmensgeschichten manifestieren. Wer Geschichten erzählt, begeistert Mitarbeiter und Kunden. Und wer zuhört, lernt den anderen besser kennen und verstehen. „Wer die Kraft des Erzählens entdeckt hat, der wird sich schließlich nach der Maxime verhalten, die lautet: Verhalte dich so, dass Kollegen und Kunden positive Geschichten über dein Unternehmen erzählen können“, meinen Karolina Frenzel, Michael Müller und Hermann Sottong, Autoren des Buches „Storytelling“.

Intelligente Unternehmenskommunikation

Pilotengeschichten

Geschichten sind in der Lage, das hervorzubringen, was für den Verbraucher der Zukunft und damit natürlich für die Unternehmen immer wichtiger wird: Inspiration und Begeisterung. Zukunftsforscher Oliver W. Schwarzmann von der Future Business Group sieht den Preis nicht mehr als Kriterium für die Kaufentscheidungen der Zukunft: „Der Preis spielt keine Rolle. Produkte werden nicht mehr verkauft, sondern auserwählt. Loyalität des Kunden entsteht durch Bewunderung und Begeisterung.“ Wenn Unternehmen erfolgreiche Marken schaffen möchten, brauchen sie eine Geschichte, die die Käufer fasziniert, sie dazu bringt, sich mit der Marke zu identifizieren. Die Marke muss ihre Wünsche und Träume erfüllen.“

Nur schade, dass die meisten Unternehmer uns Journalisten allzu oft nichts an die Hand geben außer platten PR-Berichten, die ihre Produkte in den Himmel loben. Mal im Ernst: Wie können diejenigen, die solche angeblichen Geschichten verfassen und verbreiten, annehmen, dass sie irgendjemand interessieren? Sie sind seelenlos, langweilig und als PR für nahezu jeden Leser erkennbar. Es gibt daran nichts, was den Leser begeistern könnte. Er liest den Text und vergisst ihn sofort wieder. Dabei gibt es in den meisten Unternehmen Geschichten, die wirklich erzählenswert sind und Bewunderung wecken - der erste Schritt zur Kaufentscheidung, zum Gedanken "das will ich haben".